Lange Ladezeiten über die Feiertage im Eigenen Archiv & ihre positive Seite

Es ist wieder jene Zeit des Jahres, in der Fans sich am Geschichtenwichteln beteiligen, Glühwein trinken und das Eigene Archiv verfluchen, weil es wieder mal so verdammt langsam ist. Denn nach einem anstrengenden Tag in der Innenstadt, in der man sich durch Menschenmassen drängeln und an der Kasse ewig warten musste, gibt es nichts Nervigeres als mit der Fehlermeldung Error 502: Page did not respond in a timely fashion konfrontiert zu werden, wenn man zum Entspannen auf seine liebste Fanfiction klickt.

Bitte glaubt uns: Wir wissen, wie das ist. Wir sind auch Fans und benutzen das Eigene Archiv, und nach einem Tag voller Schlangestehen oder dem Programmieren einer neuen Funktion stört uns auch nichts mehr als ein Fehler 502, wenn wir zum Entspannen auf unsere liebste Geschichte klicken.

Deshalb möchten wir euch wissen lassen, dass wir etwas dagegen tun. Wir arbeiten gerade an einem neuen Systemaufbau (dank eurer Unterstützung mitsamt schicker neuer Server) der die Leistung deutlich verbessern wird.

Wir haben eine Menge Vermutungen angestellt, bevor wir die letzte große Aktualisierung durchgeführt haben. Ein wichtiger Teil dieses Updates war die Einführung von Rails 3, das die Grundlage für die Umgestaltung des Systemaufbaus bildet. Sowohl währenddessen als auch kurz danach haben wir schon einige Leistungsverbesserungen auf den Weg gebracht, aber letztendlich gibt es leider keinen Ersatz für die Erkenntnisse, die wir aus den tatsächlichen Nutzungsdaten des Archivs gewinnen.

Wir haben nun 11.000 Nutzer und Nutzerinnen und 120.000 Werke und sind damit wesentlich schneller gewachsen, als wir uns jemals erträumt haben.

Was genau wird sich durch den neuen Aufbau verändern?

Derzeit läuft das Archiv auf zwei Servern – einer für die Datenbank, der andere für die Rails-Anwendungen.

Die neue Systemarchitektur wird in etwa so aussehen:

Diagram der Servertopologie
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Kurz gesagt werden wir auf einen Systemaufbau umsteigen, der es uns erlaubt, in der Zukunft leicht zusätzliche Hardware zur Leistungsverbesserung anzuschließen.

Wir kaufen gerade die neuen Server für diesen Aufbau, aber im Moment der Zeitpunkt für eine so drastische Veränderung ungünstig. Der Umstieg auf einen neuen Systemaufbau ist keine triviale Sache, und wir verschieben ihn deshalb lieber aufs neue Jahr, wenn wir mehr Zeit für Ausfälle haben und nicht mehr so viel los ist. Im Eigenen Archiv herrscht derzeit reger Betrieb (nicht nur durch Yuletide, auch wegen anderer Wichtelaktionen) und wir wollen nicht riskieren, dass uns das alles um die Ohren fliegt.

Daneben ist Yuletide, unser erster und größter Testfall, in diesem Fall Teil einer langfristigen Lösung. Tausende Nutzer und Nutzerinnen, die alle zur selben Zeit auf dieselben Teile des Archivs zugreifen wollen, werden unsere Systeme bis zum Anschlag belasten und uns helfen herauszufinden, wo die größten Engpässe liegen. Das wiederum zeigt uns, welche Prioritäten wir beim Kauf der Hardware setzen müssen.

Das heißt aber auch, dass im Moment alles etwas langsam läuft. Das tut uns sehr leid. Auch aus diesem Grund ist das AO3 immer noch in der Betaphase. Wir werden das “Beta”-Schild auch nicht herunternehmen, solange wir nicht einigermaßen sicher sind, dass das System mit möglicherweise Millionen von Nutzern und Nutzerinnen und Geschichten umgehen kann, ohne dass uns alles um die Ohren fliegt oder nur im Schneckentempo läuft. Und soweit sind wir noch nicht.

Wir müssen euch also um Geduld bitten. Yuletide und andere Geschichten-Tauschaktionen – und die daraus resultierende intensive Nutzung – sind für das AO3 und diejenigen, die es programmieren und verwalten, auf lange Sicht sehr wertvoll. Es ist alles Teil des Betaprozesses – habt also bitte Verständnis dafür, dass solche Hänger nötig sind, um das Eigene Archiv langfristig voranzubringen.

Neues Urheberrecht verbessert voraussichtlich den Schutz von Fanwerken und Remix-Kultur in Brasilien

(Anmerkung: viele der Links führen zu Seiten in brasilianischem Portugiesisch.)

Ein überarbeitetes Urheberrecht, das in den nächsten Monaten dem brasilianischen Nationalkongress vorgelegt werden soll, wird transformativen Werken einen expliziteren Schutz vor der Anfechtung durch Rechteinhaber gewähren, falls es in seiner jetzigen Form verabschiedet wird. Durch das Gesetz sollte es außerdem legal für Fans werden, den Kopierschutz (Digital Rights Management – DRM) zu umgehen, wenn das der Erstellung transformativer Werke dient.

Brasiliens Haltung bei Einschränkungen zum Urheberrecht ist schon jetzt weniger streng als die vieler anderer Länder. Es erlaubt die Verwendung kurzer Auszüge eines Werkes in jedem Zusammenhang (nicht nur für Erziehungszwecke und Kritik), der die normale kommerzielle Nutzung des Werkes nicht gefährdet. Artikel 46 Abschnitt VIII des Gesetzentwurfes zielt darauf ab, diese Ausnahme für “transformative Nutzungsarten” von Teilen eines Werkes deutlicher zu machen. Dazu kommt, dass eine allgemeine Klausel in Artikel 46, die zum Teil dafür gedacht ist, das Gesetz für zukünftige Technologien anwendbar zu machen, die Nutzung von geschütztem Material als “kreative Quelle” (“uso como recurso criativo”) erlaubt.

Artikel 107 des aktuellen Gesetzentwurfs macht es legal, einen Kopierschutz zu umgehen, falls dieser eine in Artikel 46 beschriebene Nutzung verhindert. Mit anderen Worten: Es scheint so, als erlaube das Gesetz das Umgehen von Kopierschutz für die Schaffung transformativer Werke wie Fanvids. Dies stimmt mit der bestehenden brasilianischen Rechtspraxis überein, nach der Rechteinhabern hohe Strafen drohen, wenn sie erlaubte Nutzung geistigen Eigentums unterbinden.

Das Gesetz, das eines aus dem Jahr 1998 ersetzt, soll die technischen Entwicklungen seit den 1990ern mit berücksichtigen. Es wurde so formuliert, dass Gerichte es auch auf zukünftige Technologien anwenden können, die in den Artikeln nicht speziell angesprochen werden. Im Gegensatz zu der Geheimhaltung im Zusammenhang mit den Verhandlungen über das vorgeschlagene internationale Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA) wurde der Text des Gesetzentwurfs nach einer Phase öffentlicher Anhörungen zusammengestellt, die sich über mehrere Monate erstreckte.

Urteilsbegründung eines deutschen Gerichts verstärkt Unterschiede in der Haftpflicht für Webhosts in den USA und Europa

Deutsche Gerichte haben angedeutet, dass sie in Zukunft gewerbliche Videoportale wie YouTube dazu zwingen werden, vorsorglich Musikvideos aufzuspüren und zu löschen, die gegen das Urheberrecht verstoßen, anstatt erst zu reagieren, wenn Rechteinhaber und -verwertungsgesellschaften formal Einspruch einlegen.

Dieser Richterspruch folgt auf eine Verurteilung von drei YouTube-Managern im Februar dieses Jahres in Italien. Das Urteil des italienischen Gerichts impliziert deutlich, dass jedes gehostete Video vor der Veröffentlichung überprüft werden sollte.

Obwohl die deutsche Rechteverwertungsgesellschaft GEMA mit ihrem Antrag auf eine einstweilige Verfügung Ende August 2010 gescheitert war, in dem sie die Löschung und Sperrung bestimmter Videos forderte, ist das nur ein schwacher Trost für deutsche Webhosts. Das Urteil kam nur dadurch zustande, dass das Gericht eine einstweilige Verfügung für unangebracht hielt, da die GEMA schon lange wusste, dass die Videos auf YouTube abrufbar waren. Der vorsitzende Richter forderte die GEMA dazu auf, den Anspruch in einem Hauptsacheverfahren geltend zu machen, und deutete an, dass der Erfolg in diesem Fall wahrscheinlich wäre. In der Pressemeldung des Landgerichts Hamburg steht, es „liege nahe, dass die Antragsgegnerin zumutbare Prüfungspflichten bzw. Maßnahmen zur Verhinderung erneuter Rechtsverletzungen nicht wahr- bzw. vorgenommen habe.“

Die GEMA gab Ende September 2010 bekannt, dass sie eine erneute Klage plane.

Laut einigen Beobachtern [englisch] handelt es sich bei dem deutschen Urteil um das neueste Beispiel [englisch] einer ganzen Reihe von Urteilen, die deutlich machen, dass ähnliche Gesetze in den USA und Europa immer unterschiedlicher ausgelegt werden. In den USA fallen YouTube und andere Firmen unter die Klausel für „sichere Häfen“ im Digital Millenium Copyright Act (DMCA). Für Webhosts in Europa dagegen ist das Risiko viel größer, für die Taten von NutzerInnen belangt zu werden, bevor überhaupt eine Abmahnung erteilt wird.