OTW-Gastbeitrag

OTW-Gastbeitrag: Bettina

Die OTW (Organisation für Transformative Werke) hostet auf unseren OTW-Nachrichtenkontos jeden Monat Gastbeiträge, um eine externe Perspektive zur OTW oder Fandom-Aspekte zu bieten. Diese Beiträge drücken die persönlichen Sichtweisen einer einzelnen Person aus und spiegeln nicht notwendigerweise die Sicht der OTW wider oder stellen ihre Richtlinien dar.

Bettina ist ein lebenslanges Fangirl. Sie liebt es zu lesen, zu gamen und auf Conventions zu gehen. In der Vergangenheit hat sie sich auch am Fanfictionschreiben versucht, aber mittlerweile überlässt sie das talentierteren Leuten. Heute spricht Bettina über ihre Arbeit mit dem GSSU-Archiv, welches jetzt im Archive of Our Own – AO3 (Ein Eigenes Archiv) gefunden werden kann.

Wie kamst du zuerst zu Fandom und Fanwerken?

Schon als Kind war ich immer irgendwie “fannish”. Eine meiner frühesten Erinnerungen ist, wie ich vor dem Fernseher meiner Oma sitze und mir Raumschiff Enterprise anschaue. Ich habe die Serie geliebt und TNG noch mehr! Ich wollte mehr und darum habe ich angefangen die TNG Bücher zu lesen. Ganz hinten in einem dieser Bücher fand ich dann eine Annonce für einen Star Trek Club. Bis zu dem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass andere Leute meine Obsession teilten. Ich hab mich dann dazu entschlossen einen Brief zu schreiben (das war vor dem Internet!). Ich musste meine Eltern dazu überreden, dass sie den Mitgliedsbeitrag für mich zahlten. Es hat funktioniert und ich wurde Mitglied beim STCE Club (Star Trek Central Europe). Der STCE veröffentlichte Magazine und Jahrbücher, die auch Fanwerke inkludierten. Ich habe andere Fans getroffen, habe meine ersten Fandom-Freunde gefunden und auch Fanfiction. Ich hab danach nie wirklich zurück geschaut.

Wie kam es zur Beteiligung mit dem GSSU?

Ich war ein frühes Mitglied der Querstrich Mailingliste, einer deutschsprachigen Multifandom Slash Mailingliste. Von Anfang an haben wir über ein Archiv für die Geschichten, die auf Querstrich veröffentlicht wurden, gesprochen. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, aber ich glaube ich habe mich freiwillig gemeldet das Archiv zu betreuen.

Wie hat sich das GSSU entwickelt und was hat zum Import auf AO3 geführt?

Die Erstellung des Archivs war sehr kollaborativ. Wir haben uns gemeinsam dazu entschieden wie es aussehen sollte, welche Geschichten wir wollten, dass es auf Deutsch und Englisch sein sollte, etc. Katja, ein weiteres Querstrich-Mitglied, hat ein tolles Logo entwickelt und ich habe die Seite selbst mit meinen limitierten HTML-Kenntnissen codiert. Alle Geschichten die im Archiv veröffentlicht wurden, kamen von der Querstrich Mailingliste und fast jede:r Autor:in (mit wenigen Ausnahmen) war deutschsprachig. Ich habe das Archiv regelmäßig upgedated.

Aber über die Jahre haben immer weniger Leute auf der Liste geposted und Fandom ist generell von Mailinglisten zu anderen Plattformen weitergezogen. Ich habe das Archiv immer noch betreut, aber über die Jahre wurde es immer mehr zu einer Pflicht. Ich habe mit einer Freundin, die mich zu diesem Zeitpunkt besucht hat, darüber gesprochen und sie gab mir den letzten Ruck, den ich für meinen Entschluss das Archiv zu schließen gebraucht habe. Ich habe Ende September 2012 die Schließung des Archivs in meinem LJ und DW angekündigt. Ich habe sehr viele unterstützende Kommentare bekommen und mehrere Leute haben mir vorgeschlagen Open Doors (Offene Türen) zu kontaktieren, um über die Möglichkeit das Archiv zu importieren zu reden.

Damals war es nur möglich ganze Archive, die auf einem automatischen Archivskript basierten, zu importieren. Aus diesem Grund hat es einige Zeit gedauert einen Weg zu finden das Archiv zu importieren, aber mit der tollen Arbeit des Open Doors (Offene Türen) Teams hat es wunderbar funktioniert. In einem Zeitraum von 5 Monaten habe ich fast 800 Fanwerke manuell in die GSSU Kollektion importiert.

Wie hast du zum ersten Mal von der OTW gehört und was ist deiner Meinung nach ihre Rolle?

Ich bin im Fandom schon sehr lange und deshalb konnte ich quasi hautnah die Entstehung von AO3 und OTW miterleben. Es ist so eine tolle und wichtige Sache, die von allen Beteiligten kreiert wurde. I glaube der wichtigste Aspekt ist die Erhaltung der Fandomgeschichte und Fankultur.

Welche Fandomaspekte haben dich am meisten inspiriert?

Bevor ich Fandom gefunden habe, hab ich mich sehr allein gefühlt und plötzlich war da diese Gruppe von Gleichgesinnten! Da war dieses Zugehörigkeitsgefühl, das ich nicht gekannt habe. Über die Jahre habe ich so viele unglaubliche Menschen kennengelernt und im Großen und Ganzen ist die Fangemeinschaft sehr unterstützend und inklusiv. Ich habe so viel gelernt und ich lerne weiterhin. Aber am wichtigsten ist, dass ich tolle, wundervolle Freunde gefunden habe, die mich täglich aufs Neue inspirieren.


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Die OTW ist die gemeinnützige Dachorganisation für mehrere Projekte, unter anderem AO3, Fanlore, Open Doors, TWC und OTW Rechtsvertretung. Wir sind eine Organisation, die von Fans geführt wird, vollständig aus Spenden finanziert ist und deren Mitarbeiter*innen Freiwillige sind. Erfahre mehr über uns auf der OTW-Webseite. Und um mehr über unser Team von freiwilligen Übersetzer*innen zu erfahren, die diesen Beitrag übersetzt haben, schau auf der Seite des Übersetzungsteams vorbei.