Ich bin ein/e professionelle/r SchöpferIn. Muss ich das Lesen und zur Kenntnis nehmen von Fanwerken, die auf meinen eigenen Werken basieren, vermeiden?

Dies ist im wesentlichen eine persönliche Entscheidung. Falls es für Sie unangenehm ist, Fanwerke, die auf Ihren eigenen Werken basieren, zu lesen, zu sehen oder anzuschauen, dann sollten Sie es nicht tun.

AutorInnen wird manchmal empfohlen, Fanfiction, die ihre/ seine eigenen Werke transformiert, nicht zu lesen oder zur Kenntnis zu nehmen, da es theoretisch möglich ist, dass ein/e AutorIn eine Geschichte liest, anschließend etwas ähnliches schreibt und dann von einem Fan eine Behauptung befürchten können müsste, dass der/die AutorIn jene Geschichte vom Fan kopiert hat. Es gibt viele Gründe dieses Risiko nicht ernst zu nehmen, vor allem da die US Rechtsprechung zugunsten des/der ersten AutorIn steht: Kein Gericht wird eine Behauptung akzeptieren, dass ein späteres Werk des/der ersten AutorIn in dem gleichen Universum das Fanwerk plagiiert. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Menschen, die mit ähnlichen Prämissen anfangen, mit ähnlichen Ideen enden – aber amerikanisches Urheberrecht schützt die spezifische Ausdrucksform einer Idee, nicht die Idee selber. Selbst wenn ein Fanwerk einem späteren Werk in dem gleichen Universum ähnelt, ist die Gleichartigkeitkeit einer Idee (etwa, wie Zauberstabmagie in Harry Potter funktioniert) nicht ausreichend für eine Urheberrechtsklage.

Allerdings ist die geringe Gewinnchance vor Gericht nicht ausreichend um die Klagegefahr vollständig auszumerzen. Das eigentliche Problem ist, dass es nicht einmal ein Fanwerk sein muss, damit es zu einer Klage kommt! Falls AutorInnen Fanpost oder Online-Rezensionen lesen, könnten sie auf die Ideen eines Fans stoßen, was mit den Charakteren passieren soll; falls sie andere Bücher lesen, könnten sie auf Handlungsstränge oder Charaktere stoßen, die sie später benutzen. Tatsächlich behandelt der typische AutorIn-gegen-AutorIn-Plagiatsfall Vorwürfe, dass ein Werk ein anderes, nicht im Zusammenhang stehendes Werk, kopiert hat.

Die Mission der OTW (Organisation für Transformative Werke) ist es auch, die Unterschiede zwischen Ideen und Ausdruck zu erklären. Viele Menschen mögen zwar die gleiche Idee haben, was in der nächsten Staffel von House passieren soll, aber falls sie jeweils andere Geschichten schreiben, die diese Idee anders ausdrücken, dann sind diese Geschichten kein Plagiat von einander.