Die Argumente gegen das Lizensieren von Fanwerken

Seitdem Fanwerke bekannter und das Konzept des Erstellens von Fanwerken stärker in den Mainstream gerückt ist, wurde auch die Legalität von Fanwerken ein beliebtes Thema für Zeitungen und Blogposts. Manche dieser Berichte zeigen, dass das Verständnis von amerikanischen Urheberrechtsgesetzen teilweise gering, oder sogar ganz falsch ist.
AutorInnen – besonders diejenigen die den Fokus auf neuere Beispiele von „kommerzialisierten“ Fanwerken legen – ignorieren die Fair Use Doktrin oder unterschätzen ihre Bedeutung innerhalb des Urheberrechts, oder versuchen das Erstellen von Fanwerken mit Medienmärkten in Verbindung zu bringen. In letzter Zeit wird gerne vorgschlagen, dass Ersteller von Fanwerken Lizenzen erwerben können oder sollten, bevor sie Fanwerke erstellen. Immerhin, lautet das Argument, würden viele AutorInnen und andere Schöpfer von Medieninhalten mittlerweile den positiven Wert von Fanwerken erkennen und würden Fans nur zu gerne die Erlaubnis geben, Fanwerke zu erstellen. Also warum sollte es nicht mehr systematisierte Vorgaben zum Lizensieren von Fanwerken geben? Damit könnten die UrheberrechtsinhaberInnen Fans die Erlaubnis geben, Fanwerke zu erstellen, wohl gegen Zahlung einer Gebühr oder einen Anteil an den Erlösen der Fans, falls diese ihre Fanwerke kommerzialisieren wollen.

Darum nicht: Lizensieren ist von einem rechtlichen Standpunkt aus gesehen weder nötig, noch ist es vorteilhaft für Fans oder Fankultur, und zwar aus verschiedenen Gründen.

Lizensierung ist unnötig, besonders für Fans die ihre Werke nicht kommerzialisieren wollen.

Die US-amerikanische Urheberrechtsdoktrin Fair Use begünstigt unkommerzielle transformative Werke. Die Fair Use Doktrin stellt eine Ausnahme von Urheberrechtsverletzungen dar. Sie gestattet Menschen, ihre Werke auf urheberrechtlich geschützten Werken zu basieren, ohne dabei Urheberrechte zu verletzen. Zu den Faktoren, die bestimmen ob ein Werk Fair Use darstellt – d.h. keine Urheberrechte verletzt – gehören die Fragen ob es die Bedeutung oder den Zweck des Originals verändert, kommerziell oder unkommerziell ist, wieviel des ursprünglichen Werkes es kopiert, und ob es auf dem Markt als Ersatz für das Original fungiert. Weil die Kommerzialität der Nutzung ein Teil der Fair Use Analyse ist, sehen sich Fans die Geld mit ihren Fanwerken verdienen wollen einer schwierigeren Rechtsfrage gegenübergestellt. Sollten ihre Werke allerdings auf dem Markt keine Konkurrenz zum Original darstellen, könnten diese eventuell noch Fair Use darstellen. Unkommerzielle, transformative Werke — solche wie sie auf dem Archive of Our Own – AO3 (Ein Eigenes Archiv) gehostet werden z.B. – sind generell durch Fair Use davor geschützt, urheberrechtsverletzend zu sein.

Lizensierung kann zu Zensur führen.

Für eine Lizensierung muss man entweder die Erlaubnis des Rechteinhabers einholen, oder ein Werk erschaffen, das sich an eine Reihe von im Voraus erteilten Genehmigungen hält. In einem früheren Post haben wir erläutert, wie das Lizensierungssystem von Kindle Worlds es Amazon erlaubt zu reglementieren was Fans in dieser Umgebung erschaffen können. Und das ist nur ein Beispiel. Fanwerke bieten Fans die Möglichkeit Dinge zu beschreiben, die der Erschaffer eines Werkes nicht beschrieben hat. Und selbst die fan-freundlichsten Rechteinhaber mögen unter Umständen nicht was ihre Fans sich ausdenken. Lizensierungssysteme könnten verlangen, dass Fans eine Geschichte „so feiern wie sie ist“, anstatt zu erforschen, was alles hätte anders sein können. Aber genau das nimmt Fanwerken die Freiheit, die diese so bunt und innovativ macht, und auch die potenziell kritische Einstellung von Fanwerken gegenüber der Art wie sich das Originalwerk mit Sexualität, Rasse, Politik, oder jedem anderen Thema auseinandersetzt.

Lizensierung diskriminiert sozial Schwache.
Zur Lizensierung gehört generell auch eine Art von finanziellem Austausch – den Rechteinhaber bezahlen, Erlöse teilen, oder eine andere Art von Zahlung an den Rechteinhaber leisten, entweder für jedes Werk oder für Werke die bestimmte Kriterien erfüllen (z.B. das Erreichen eines vorher bestimmten Grades von finanziellem Erfolg). Selbst eine geringe Gebühr kann eine Hürde für die Kreativität darstellen und benachteiligt besonders Fans mit geringeren finanziellen Ressourcen, junge Fans, und aufstrebende Künstler (von denen viele durch Fanwerke ihre Fähigkeiten trainieren).

Lizensieren führt zu psychologischen und praktischen Barrieren bei der Erschaffung von Fanwerken.

Wie Rebecca Tushnet von der Rechtsabteilung der OTW (Organisation für Transformative Werke) schon seit Jahren sagt, ist Kreativität oft spontan und unvorhergesehen, und wenn Leute um Erlaubnis fragen müssen, bevor sie 500 Wörter über Harry Potter schreiben, dann werden sie andere Pläne machen. Dies bedeutet, dass innerhalb eines Lizensierungssystems etliche Fanwerke schlichtweg gar nicht entstehen würden. Diese Hürde im Bezug auf das Erschaffen von Fanwerken ist besonders hoch für junge Fans und diejenigen, die sich ihres politischen Einflusses oder ihrer Ausdruckskraft unsicher sind – also gerade diejenigen, die Fanwerke benutzen, um sich selbst zu entdecken, in Dialog mit Kultur zu treten, und die von der Unterstützung durch Fan-Gemeinschaften profitieren.

Lizensierung untergräbt Fankulturen.

Lizensierung kann zu Kommerzialisierung von Fanwerken führen und untergräbt die „Geschenkökonomie“, die viele Fans zueinander bringt. Es macht das Erschaffen eines Fanwerkes zu einer Geschäft, anstatt zu einer Konversation und stört damit Fan-Ökosysteme.

Lizensierung verletzt bestehendes Recht.

Abschließend ist es wichtig zu erläutern, dass die Existenz von weitreichender Lizensierung die Auffassung der Fair Use Doktrin verändern könnte, welche explizit (und wichtig für freie Meinungsäußerung!) Fälle von Fair Use von der Notwendigkeit der Lizensierungen ausschließt, und die bereits existiert um der Erschaffung von Fanwerken Raum zu geben. Manche Gerichte vertreten den Standpunkt, dass, wenn ein Markt für Lizensierungen existiert, ein Ausbleiben des Einholens einer Lizenz darauf hindeuten könnte, dass ein Werk nicht unter Fair Use fällt. Aber selbst wenn Märkte für Lizenzen existieren – wie wir bereits oben gesehen haben – können diese nicht die Art von Freiheit bereitstellen, für die die Fair Use Doktrin konzipiert wurde.

Dies sind nur einige der Punkte die illustrieren, warum die OTW Schritte in Richtung des Lizensierens von Fanwerken nicht unterstützt. Um mehr über die Ansichten der OTW in Bezug auf die legalen Rahmenbedingungen für Fanwerke und die Nachteile von Lizensierungssystemen zu erfahren, können Sie dieses Dokument das wir erstellt haben (in Englisch) anschauen. In diesem erläutern wir, warum jegliche Änderungen in Urheberrechtsgesetzen zu Gunsten der Freiheit transformative Werke zu erstellen ausfallen sollten.

Die Rechtsabteilung der OTW arbeitet im Namen von Fans und Fandom um sicherzugehen, dass unsere Stimmen in Diskussionen um Urheberrechtsgesetzreformen gehört werden, und ist auch in der Lage, die Fragen von einzelnen Fans zu beantworten.