Anime, Manga und Videospiele aus Japan von dortiger Gesetzgebung bedroht

Verfasst von Electra

Anm. d. Übers.: Linkziele sind auf Englisch & Japanisch.

Fans von Animes, Mangas, und Videospielen könnten bald Änderungen sowohl im Zugang zu als auch in den Inhalten von professional produzierten japanischen Werken und Fanwerken bemerken. Die Verordnung 156 der Metropolregion Tokio, genannt „Gesetz für nichtexistente Verbrechen“, die dieses Jahr in Kraft tritt, soll den Vetrieb und den Inhalt dieser Produkte im Stadtgebiet einschränken.

Der Gesetzentwurf erweitert die Befugnisse der Tokioter Metropolregierung, den Verkauf und den Verleih von „schädlichen“ Medien an Menschen unter 18 zu regulieren. Er dehnt außerdem die aktuelle Definition von „schädlich“ auf Material aus, das gewisse sexuelle oder pseudo-sexuelle Handlungen „grundlos glorifiziert oder übertreibt“. Frühere Gesetze schränkten nur den Vertrieb von Material an Unter-18-Jährige ein, das „sexuell stimuliert, zu Grausamkeit anregt, und/oder zu Selbstmord oder kriminellem Verhalten aufrufen könnte.“

Der Gesetzentwurf bezieht sich auf „Veröffentlichungen“, darunter sowohl professionelle als auch von Fans produzierte Bücher, DVDs und CDs. Allerdings scheint es sich nicht auf Handy-Seiten oder Downloads zu beziehen, obwohl es festlegt, dass auf Handys aller Unter-18-Jährigen Inhaltsfilter anzuwenden sind.

Das Gesetz könnte Produzenten in Tokio, einem bedeutenden Zentrum der Anime-, Manga-, und Videospielindustrie, davon abschrecken Inhalte zu produzieren, die gegen das neue Gesetz verstoßen könnten, bzw. bestehende zu vermarkten, selbst wenn diese für Über-18-Jährige gedacht sind. Dieser abschreckende Effekt wird höchstwahrscheinlich eintreten, denn der Gesetzentwurf beschreibt keine genauen Durchsetzungsmechanismen, weshalb Produzenten sich beim Verstoß gegen das Gesetz undefinierten Konsequenzen ausgesetzt sehen.

Das Gesetz wurde unter breiten Protesten verabschiedet, nicht nur von Seiten der Fans und professioneller Produzenten, sondern auch von Mitgliedern der nationalen Regierung. Fans haben ihren Protest in Form von dôjin (fangemachten) Werken zum Ausdruck gebracht, darunter Comics und Videos (Registrierung zum Ansehen nötig), die eine Transformation bestehender Werke mit Analyse und Kritik der Gesetzgebung verbinden.

Mittlerweile verurteilte auch die Association of Japanese Animations (AJA) den Gesetzentwurf als Versuch, Redefreiheit und künstlerische Freiheit zu begrenzen, und eine Gruppe führender Manga-Verlage kündigte einen Boykott der (mittlerweile abgesagten) Tokyo Anime Fair 2011 an, einer wichtigen, von der Tokioter Metropolregierung gesponserten Handelsmesse. Andere, unter ihnen Japans Premierminister Naoto Kan, drückten Besorgnis über den Einfluss des Gesetzentwurfs auf die in Tokio konzentrierte Kreativbranche aus.

Eine freiwillige Selbstkontrolle der Branche wurde Anfang April eingeführt und eine strenge Verfolgung nun verbotener Inhalte wird ab Juli erwartet, wenn die Regelung zu Verkauf und Verleih von Material an Unter-18-Jährige in Kraft tritt.