Versaphile Gastbeitrag

Von Zeit zu Zeit wird die OTW (Organisation für Transformative Werke) Gastbeiträge auf den OTW-News-Konten veröffentlichen. Diese Gäste bieten einen Blick von außen auf die OTW oder auf Aspekte des Fandoms, an denen unsere Projekte womöglich Anteil haben. Die Beiträge drücken die persönliche Meinung der jeweiligen AutorInnen aus und spiegeln nicht die Ansichten der OTW wider oder stellen die Richtlinien der OTW dar. Wir nehmen gerne Vorschläge von Fans für zukünftige Gastbeiträge an, die hier als Kommentar oder über direkten Kontakt mit uns hinterlassen werden können.

Versaphile ist „offiziell ein Oldtimer, bereits seit 1995 im Online-Fandom: über die Jahre war ich in Fandoms zu Akte X, Ein Mountie in Chicago, Stargate SG-1, Herr der Ringe, Buffy – Im Bann der Dämonen/Angel, Hornblower, Life on Mars, Doctor Who und Merlin – die neuen Abenteuer. Ich war früher sehr aktiv in fannischen Infrastrukturprojekten wie Recs und Archiven, außerdem Vids und Manips, aber jetzt bin ich glücklich damit, absurd lange und Angst geladene Merlin-Epiken zu schreiben.“
Heute spricht Versaphile über die Erfahrung, als Betreiberin eines Archives, das ins Archive of Our Own – AO3 (Ein Eigenes Archiv) importiert werden soll, über das Zusammenarbeiten mit dem Open Doors (Offene Türen)-Projekt der OTW.

Wie kamst Du zuerst zu Fandom und Fanwerken?

Ich habe das Star-Trek-Fansein von meinen Eltern geerbt, aber mein erstes richtiges eigenes Fandom war Akte X. Ich bin 1994/1995 online gegangen und habe Usenet und alt.tv.x-files und, noch wichtiger, a.t.x.creative entdeckt. Ich kam zu Fanfic und habe nie zurückgeblickt.

Würdest Du uns etwas mehr über Deine Archive erzählen und darüber, wie es kam, dass Du Dich dafür engagiert hast?

Ich habe mit Offene Türen fünf Archive ins AO3 importiert, also werde ich mit dem größten beginnen, WesleyFanFiction.Net. Ich kam relativ spät zum „Buffy – Im Bann der Dämonen/Angel“-Fandom, gerade als Angel endete. Wesley war mein Einer Wahrer Charakter, daher war ich natürlich begeistert zu entdecken, dass ein ganzes Archiv voll mit Geschichten über ihn existierte. Und dann eines Tages im Jahr 2005 ging ich zu dieser Seite und sie war weg! Ich benutzte Google Cache und kontaktierte DJ, die Administratorin des Archives. Sie erzählte mir, dass die Seite aufgrund von eFiction/mySQL-Schwachstellen dreimal in einem Monat gehackt worden war und dass jemand böswillig die Datenbank gelöscht hatte. Ich hatte Erfahrung mit Archiven und fannischer Infrastruktur und bot meine Hilfe an, um das Archiv wieder zum Leben zu erwecken.

Zunächst waren weder DJ noch Liz Harris, die Schöpferin des Archives, in der Lage, ein Backup der Datenbank zur Verfügung zu stellen. Also begann ich, sie per Hand mit Hilfe von Google Cache zu rekonstruieren. Zum Glück fand sich einige Wochen später ein Backup, das mir, obwohl es nicht aktuell war, viel Arbeit ersparte. Ich stellte die Seite wieder online, alle Geschichten intakt, und öffnete sie wieder für Einreichungen. Ich fügte außerdem ein neues Unter-Archiv für RPS hinzu, Innocent Lies.

Das nächstgrößte Archiv ist The Prydonian, ein Doctor-Who-Archiv für Doctor/Master. Zunächst ein wenig Hintergrundgeschichte: Während meiner vorherigen Zeit im DW-Fandom wandelte ich A Teaspoon And An Open Mind von einer kleinen, flachen HTML-Seite, die von Nostalgia betrieben wurde, in das zentrale Archiv inklusive eFiction, das es heute ist. Ich verließ das Fandom und gab die Seite weiter, dann kehrte ich einige Jahre später mit Tenth Doctor/John Simm Master zurück. Da war Teaspoon groß und unhandlich geworden und ich wollte Raum für die Doctor/Master-Nische des Fandoms schaffen. Prydonian war ein Erfolg und ich fügte auch hier eine RPS-Unterkategorie hinzu, Human Nature.

Mein letztes eFiction-Archiv, allerdings nicht chronologisch gesehen, ist Hornblowerfic.com. Ich erschuf es während meines kurzen Aufenthalts im Horatio-Hornblower-Fandom, hauptsächlich als Reaktion darauf, dass mein OTP aufgrund eines Ship-Krieges vom Großteil des Fandoms mit Abneigung oder Gleichgültigkeit betrachtet wurde. Obwohl das Archiv kein zentrales Thema hat, war es als geschützter Ort für William Bush zentrierte Geschichten gedacht.

Ich habe über die Jahre alle fünf Archive aufrechterhalten, mit Updates auf neuere Veröffentlichungen von eFiction und der Auseinandersetzung mit gelegentlichen Spamattacken. Leider wurden die Spamattacken mit den Jahren immer schlimmer und eFiction-Updates wurden immer seltener. Ich bin ein großer Verfechter des Archivierens und davon, alte Fandoms verfügbar zu halten, aber nachdem ich alle drei Fandoms bereits vor einiger Zeit verlassen habe, war ich bereit, einen dauerhaften, sicheren Platz für die Archive zu finden. Glücklicherweise nahm Offene Türen sie auf!

Wie hast Du von Offene Türen erfahren und wie kam es dazu, dass Du mit ihnen zusammengearbeitet hast?

Ich muss von Offene Türen über den OTW-News-Blog gehört haben, den ich seit seiner Gründung immer mal wieder verfolgt habe. Ich kam dazu, mit Offene Türen zusammenzuarbeiten, weil ich mehrere eFiction-Archive hatte, die Spamattacken ausgesetzt waren. Mir fehlte die Zeit, mich weiter um die Aufräumarbeiten zu kümmern. Ich wollte ein sicheres, dauerhaftes Heim für die Archive und AO3 war perfekt dafür geeignet.

Wie war der Prozess der Zusammenarbeit mit Offene Türen für Dich?

Der Prozess mit Offene Türen war sehr flüssig. Zu Beginn informierte ich Offene Türen darüber, dass ich nicht die Zeit oder Energie übrig hatte, um sie groß beim Import zu unterstützen. Es gelang ihnen jedoch, Importskripte zu schreiben bzw. zu aktualisieren, um alles direkt aus den zur Vefügung gestellten Datenbanken und Seitendateien zu ziehen. Natürlich dauerte es angesichts einer solchen Anzahl an Archiven und Geschichten eine Weile, bis alles importiert war, aber sie haben einen fantastischen Job gemacht und ich bin mit dem Ergebnis sehr glücklich.

Welchen Rat würdest Du ArchivbesitzerInnen oder ModeratorInnen geben, die ähnliche Probleme mit ihren Archiven haben, wie Du sie hattest?

Ich glaube, heutzutage sind die Leute wesentlich weniger geneigt, fandom- oder charakterspezifische Archive zu gründen, weil das AO3 so eine wunderbare Ressource ist. Aber es gibt dort draußen viele alte Archive (besonders auf eFiction-basierend), viele von ihnen halb verlassen, nachdem die Fandomaktivität immer mehr abnahm oder der/die ArchivarIn zu einem neuen Fandom weiterzog. Ich würde diese ArchivarInnen inständig bitten, ihre Archive zu Offene Türen zu bringen, bevor all diese Geschichten verloren gehen. Spam wird nicht aufhören und leider findet die Entwicklung von eFiction nun im Zeitlupentempo statt und das Endprodukt ist fast schon heiße Luft. Das gleiche gilt für Ein-Autoren-Archive oder LiveJournal-basierte Fics. Sie müssen alle gerettet werden! Fandom muss sich in die Zukunft bewegen, ohne seine Vergangenheit zurückzulassen. Als ArchivarInnen liegt es in unserer Verantwortung, alles zu schützen, das wir können.

Welche Fandomaspekte haben Dich am meisten inspiriert?

Fic ist mein Grundnahrungsmittel, besonders da ich selbst schreibe. Und ich muss sagen, dass mich die durch Tumblr ermöglichte Flut an großartiger Fankunst weiterhin beeindruckt (und ich finde, wir brauchen ein AO3-Äquivalent für Fankunst, da Tumblr an irgendeinem Punkt sterben wird und wir ALLES verlieren werden). Aber der inspirierendste Teil eines jeden Fandoms sind die Diskussionen und die Metawerke, die ins Herz der Charaktere und der Kanongeschichten vordringen.


Vergesst nicht, dass wir anlässlich der Offene-Türen-Feier am Sonntag, 18. September von 17:00-19:00 Uhr UTC (sieh nach, wann das in Deiner Zeitzone ist) einen Live-Chat abhalten, zu dem ihr alle eingeladen seid!

Dieser Newsbeitrag wurde von freiwilligen ÜbersetzerInnen der OTW übersetzt. Um mehr über uns und was wir tun herauszufinden, schau auf der transformativeworks.org-Seite des Übersetzungsteams vorbei.