Fair-Use-Testsuite für Vids

Die folgende Testsuite dient zur Unterstützung der von der EFF vorgeschlagenen Erneuerung der DMCA-Befreiung für nichtkommerzielle Videokünstler, wie zum Beispiel Vidder. Bitte beachten Sie, dass diese Videos zum Streaming für Gelegenheitszuschauer komprimiert wurden; sie wurden für die Vorführung auf Großleinwand und/oder den Download durch ihr Publikum produziert.

2. August 2012. Die OTW (Organisation für Transformative Werke) antwortet auf die von der DVD CCA präsentierten Beweismittel; lesen Sie unsere Antwort und sehen Sie die Beweismittel der OTW in unserer zweiten Bildergalerie.

4. Juni 2012. Francesca Coppa, Rebecca Tushnet und Tisha Turk sagen bei den Anhörungen vor der Kongressbibliothek aus; Turk präsentiert die Beweismittel die in unserer Bildergalerie gezeigt werden.

2. März 2012. Rachael Vaughn und Rebecca Tushnet reichen einen Antwortkommentar im Namen der OTW (PDF) ein. Die EFF reichen ihren eigenen Antwortkommentar (PDF) ein, der verschiedene Befreiungen unterstützt, einschließlich der Befreiung für nichtkommerzielle Remixer.

1. Dezember 2011. Rebecca Tushnet, Rachael Vaughn und Francesca Coppa arbeiteten mit der EFF zusammen, um einen Antrag zur Erneuerung und Erweiterung der DMCA-Befreiung für nichtkommerzielle Remixer (PDF) einzureichen.

26. Juli 2010. Die U.S. Kongressbibliothek veröffentlicht eine Entscheidung zugunsten von DMCA-Befreiungen. Die OTW veröffentlicht eine Pressemitteilung als Reaktion auf die Entscheidung.

2. Dezember 2008. Die OTW reicht einen Antwortkommentar ein, zur Unterstützung des EFF Antrags zur DMCA-Befreiung für die Verwendung von DVD-Material in nichtkommerziellen Remix-Videos wie Fanvids, die als Fair Use klassifiziert wurden (PDF oder HTML). Der Kommentar der Electronic Frontier Foundation kann ebenfalls heruntergeladen oder im HTML-Format eingesehen werden.

Mehr über unsere laufende DMCA-Verfechtung finden Sie auf unserer Seite für Rechtsvertretung.

Die OTW ist der Ansicht, dass die kreative Nutzung von urheberrechtlich geschütztem Material durch nichtkommerzielle Werke (wie Fanvids) transformativ ist, und dass transformative Werke nach US-Urheberrechtsgesetzen rechtmäßig sind.


Vidder benötigen Filmmaterial von hoher Qualität um den Text zu transformieren

Vidder manipulieren Videomaterial auf unterschiedliche Art und Weise: durch Beschleunigung, Verlangsamung, Ändern der Farbe, Zuschneiden und Zoomen, die Anwendung eines breiten Spektrums von Effekten, Lenkung des Fokus. Daher suchen sie Material von höchstmöglicher Qualität, da ihnen bewusst ist, dass durch diese Veränderungen visuelle Einbußen entstehen. Mit Material von schlechter Qualität zu beginnen kann in unbrauchbarem Material enden.

Unten finden Sie ein zweiminütiges Split-Screen-Video von Vidder und Vidding-Komitee-Mitglied Tisha Turk; die linke Hälfte wurde gerippt, die rechte aufgenommen. Das Material wurde auf eine einfache Weise manipuliert – es wurde verlangsamt, eine verbreitete Methode unter Viddern – und die Pixellierung und schlechte Qualität des aufgenommenen Materials sind klar erkennbar. Es ist unwahrscheinlich, dass das aufgenommene Material nach Anwendung von weiteren Effekten noch brauchbar wäre. Wie Vidder zu sagen pflegen: “Müll rein, Müll raus.”

Besuchen Sie die Bildergalerie I und Bildergalerie II um Qualitätsunterschiede zwischen geripptem und aufgenommenem Material Seite an Seite zu sehen.

Vidding ist eine rechtmäßige künstlerische und kulturell wertvolle Beschäftigung, die eine etablierte und wachsende Gemeinschaft repräsentiert.

Women’s Work, von Sisabet and Luminosity

Remix-Videos rücken Handlungen des Ausgangsmaterials in neues Licht, üblicherweise die Quelle kommentierend oder kritisierend. Das viel diskutierte Video “Women’s Work”, von Sisabet und Luminosity, basiert auf Supernatural, eine Fernsehserie über zwei geisterjagende Brüder. Das Video zeigt die Protagonisten jedoch kaum; stattdessen wurden aus unzähligen Episoden der Serie Bilder von Frauen zusammengeschnitten, die in der Serie nur erotisert, leidend oder dämonisiert dargestellt werden. Ein Kommentator beschrieb es als “eine Doktorarbeit über die Misogynie von grundlegenden, nicht hinterfragten Handlungsstrukturen… Das Video zeigt klar und deutlich auf, wieviele der Geschichten die wir kennen und wieder erzählen vom Leiden der Frauen abhängen.”
„Women’s Work“ wurde erwähnt im New York Magazine, und Luminositys Video „Vogue“ wurde 2007 „das beste Fanvideo des Jahres“ genannt.

The Price, von Things With Wings

“The Price” ist ein Video über „Manpain“ — ein Wort, das von Fans geprägt wurde, um “übermäßige, egozentrische männliche Angst” zu beschreiben. Manpain verlangt vom Publikum, sich mit dem übertriebenen Leiden eines männlichen Protagonisten zu identifizieren, statt mit den tatsächlichen Opfern von Leid und Gewalt; in solchen Geschichten werden die Opfer — üblicherweise Frauen — als für die Handlung unwesentlich dargestellt, oder wie Things With Wings es ausdrückt: “Manpain dreht sich hauptsächlich um die Kamera — wer bekommt die Nahaufnahme wenn Schlimmes geschieht?” Things With Wings erklärt weiter, dass sie “die Frustration ausdrücken musste, die ich angesichts des lächerlichen/furchtbaren Wesens dieser ermüdenden Tropes fühle UND an den völlig voraussehbaren (und oft problematischen) fannischen Reaktionen auf diese Tropes…” Das Video ist gleichzeitig eine Kritik an den Massenmedien und der Fangemeinschafts Behandlung dieser Männern und ihrer Leiden.

Vidding fördert technische Fähigkeiten und Kreativität.

This Is How It Works, von Lim

“This Is How It Works” besteht fast vollständig aus Bild für Bild-Material der Fernsehserie Stargate Atlantis, nicht nur neu geschnitten, sondern visuell mit Bildbearbeitungs-Software überarbeitet. Eine fortlaufende Animation von Zahlen wird durch den Rhythmus der Hintergrundmusik generiert; dies ist Teil der Botschaft des Videos über den zweigeteilten Charakter von Rodney McKay, ein Wissenschaftler der Musiker werden wollte. Nachdem sie das Video geteilt hatte, verfasste Lim ausführliche Notizen über ihren Prozess, in denen sie Schritt für Schritt erklärte, wie sie die Effekte kreiert hatte. “This Is How It Works” ist nicht nur Beweis für technisches Geschick, sondern auch für künstlerische Sensibilität. Ein anderes von Lims Videos, „Us“, ist momentan Teil einer Ausstellung, Mediated, im California Museum of Photography.

Piece of Me, von Obsessive24

„Piece of Me“ vereint bewusst und künstlerisch Hochglanzmaterial aus Britney Spears’ Videos und andere, unschärfere Bilder der Sängerin (aus Boulevardzeitungen, absichtlich unscharfen YouTube-Videos) um den Kontrast zwischen dem zur Schau gestellten Selbstbild der Sängerin und der kläglicheren Geschichte von Ausbeutung, Kommerzialisierung und Zusammenbruch aufzuzeigen. Das Lied “Piece of Me”, Spears’ eigenes, soll als Herausforderung zum Kampf gesehen werden: „You want a piece of me?“ Aber Obsessive24 enthüllt die unterschwellige Bedeutung der Worte, die ein gewalttätiges Auseinanderreißen andeuten. Das Ergebnis ist eine beinahe klassische Tragödie, in der Spears von Aasgeiern zerfleddert wird: ihrer Familie, Hollywood, den Medien, und uns, dem konsumierenden Publikum.

Vids sind eine Form von rechtmäßiger und aktueller Kulturkritik.

Handlebars, von Seah and Margie

Seahs and Margies „Handlebars“ ist eine Auseinandersetzung mit dem Charakter des Doctors in Doctor Who, ebenso wie ein allgemeiner Kommentar über das Wesen von Macht und Verantwortung. Das Video beginnt mit Bildern, die die schrullige Natur des Doctors illustrieren, geht dann zu den gefährlicheren Aspekten seiner Abenteuer und Machtausübung über, und endet schließlich in Bildern von Gewalt und Zerstörung durch ihn (im Namen des größeren Wohls). Der Doctor ist der Held der gleichnamigen Fernsehserie; das Video funktioniert als eindringliche Kritik an den moralischen blinden Flecken der Serie, indem es Ereignisse, die die Zuschauer bereits gesehen haben, in neue Zusammenhänge stellt. Das Video, in dem die Taten des Doctors auf die relevantesten und bedeutungsvollsten Bilder reduziert werden, vermittelt seine Kritik am Charakter besonders im Kontext des dazugehörigen Songtexts: „My cause is noble / my power is pure … And I can do anything with no permission … I can end the planet in a holocaust.“

Buffy Vs. Edward, von Jonathan McIntosh

In Jonathan McIntoshs politischem Remix-Video „Buffy Vs. Edward“ begegnet der stalkende Vampir des Twilight-Franchise der Feministenikone Buffy the Vampire Slayer. Dieser Remix von 2009 wurde mehr als vier Millionen Mal angesehen und in über 30 Sprachen übersetzt. Auch berichteten bedeutende Medien wie NPR, die LA Times, der Boston Globe und Salon.com darüber. McIntosh verwendete verschiedenstes Videomaterial in seinem Remix, nicht nur standardmäßige DVD-Rips, sondern auch HD-Material, umfangreich genug, um andere Charaktere aus dem Bild zu schneiden (um so besser eine neue Handlungsrealität konstruieren zu können). McIntosh hat seitdem „Right Wing Radio Duck“ kreiert, ein viraler Hit in dem Donald Duck Radiomoderator Glenn Beck zuhört und der Tea Party beitritt, mit kläglichen Resultaten, und „Too Many Dicks on The Daily Show,“ das Jon Stewarts Anstellung von hauptsächlich männlichen Mitarbeitern kritisiert.

It Depends On What You Pay, von Gianduja Kiss

Das 2009-Video von Gianduja Kiss „It Depends on What You Pay“ kritisiert die Fernsehserie Dollhouse, eine Science-Fiction-Serie, in der ein Unternehmen die Erinnerungen von Individuen (“Dolls”) auslöscht und sie durch neue maßgeschneiderte Persönlichkeiten ersetzt, woraufhin sie für persönliche – oft sexuelle – Zwecke vermietet werden. Auch wenn das eine unbehagliche, dystopische Prämisse sein sollte, hatten viele weibliche Fans das Gefühl, dass die Serie nicht zu verstehen schien, dass es sich um Vergewaltigung handelt — dass das Löschen von Erinnerungen das grundlegende Fehlen von Einwilligung darstellt — und dass Vergewaltigung für viele weibliche Fans kein vergnügliches Thema sein könnte. Indem sie das Video mit einem heiteren Lied über Vergewaltigung aus The Fantasticks unterlegte (selbst einst als unterhaltsam und nun als anstößig angesehen), gab Gianduja Kiss ihre eigene Meinung zum Streit ab, der in der Blogospäre und den Medien wogte, ihre Argumente durch Multimedia klarmachend. Wie eine feministische Bloggerin nach Ansehen des Videos konstatierte: “Die Vergewaltigungsszenen in Dollhouse werden selten als Vergewaltigungen gefilmt. Es sind Partyszenen, Sport fucks, Liebe machen… Das Fanvid muss den Horror des Geschehens offenlegen… denn außerhalb des Kontexts der Serie gibt es beinahe nichts, das den Zuschauer dazu animiert, die Szenen als etwas anderes zu sehen, als was sie zu sein scheinen.” Um an der Konversation teilzunehmen, während sie aktuell war, musste Gianduja Kiss das Video mit Amazon Unbox-Videomaterial machen; DVD-Material war zu der Zeit nicht verfügbar.

Videos bieten alternative Interpretationen und Realitäten.

Closer von T. Jonesy and Killa

„Closer“ ist ein Star Trek-Video, das gewalttätige Begegnungen zwischen den Charakteren Kirk und Spock erotisiert. Wie Henry Jenkins in seiner Besprechung von “Closer” in How to Watch a Fan-Vid feststellte: “Solche Werke interpretieren die Originalserie zweifellos, aber nicht auf eine Weise, die von Literaturprofessoren anerkannt würde. Sie versuchen nicht einfach aufzudecken was die ursprünglichen Produzenten gemeint haben. Sie erwägen Hypothetisches, sprechen ‘Was wäre wenn’-Fragen an und schlagen alternative Realitäten vor.” Tatsächlich stellt der Vorspann von „Closer“ die Frage “Was wäre wenn sie Vulcan nicht rechtzeitig erreicht hätten?”, bevor eine fiktive Antwort darauf gegeben wird. Es ist für viele Fans ein beunruhigendes Video, was es auch sein soll. Es zieht Parallelen zwischen sexueller Gewalt und dem Übergriff, den Gedankenlesen darstellt und spiegelt auch einige der kontroverseren Themen wider, die in Fanfiction seit Jahren über die Star Trek-Episode „Amok Time“ zu finden sind.

„White“ and Nerdy von talitha78

Vidder talitha78 reagierte auf eine Serie von Onlinedebatten über Rasse in Populärkultur durch ein Video das auf Gus fokussiert ist, ein afroamerikanischer Charakter in der Fernsehserie Psych. Wie talitha78 erklärt: “ Durch die Erstellung dieses Videos verarbeitete ich meine Probleme mit [Fandebatten über Rasse bekannt als] RaceFail 2009. Wie Gus bin ich ein Nerd anderer Hautfarbe in einer Gesellschaft wo Nerdiness häufig als ‘weiß’ eingestuft wird. Mit diesem Video möchte ich diesen Stereotyp untergraben…” „‚White‘ and Nerdy“ macht Rassenunsichtbarkeit sichtbar, indem es aufzeigt, wie schwarze Nerds übersehen werden, weil sie Stereotypen über Schwarze oder Nerd-/Geekkultur nicht entsprechen.

The Test von here’s luck

„The Test“ kombiniert Ausschnitte vom 2009-Film Star Trek mit solchen der Originalfernsehserie, um eine in Fanfiction zu dieser Zeit bereits etablierte Geschichte zu veranschaulichen: Als Spock Prime im Reboot-Film Erinnerungen an die Zerstörung von Romulus auf Kirk überträgt, überträgt er unabsichtlich auch Erinnerungen an Geschehnisse der Originalserie, einschließlich Erinnerungen an sexuelle Anziehung oder Involvierung zwischen ihm und dem Kirk seiner Zeitachse. Vidder here’s luck verwendet Spezialeffekte, um den Unterschied zwischen aktuellen Ereignissen und Erinnerungen zu kennzeichen, um anzudeuten, dass Bilder von der Originalserie unklar und möglicherweise versehentlich übermittelt werden, um den Bildern romantische und sexuelle Untertöne zu verleihen, und um eine Handlung zu konstruieren in der Spock Primes Erinnerungen im Verlauf des 2009-Films weiterhin in Kirks Bewusstsein sickern. (Lesen Sie weitere Kommentareüber das Video.)