Geschichte des Vidding

Vids sind von Fans geschaffene Musikvideos, die aus dem neu geschnittenen und neu zusammengestellten Filmmaterial von Fernsehserien oder Filmen bestehen. Die Geschichte des Vidding begann lange vor Youtube (2003) und der heutigen Remix-Kultur*; tatsächlich nahm Vidding seinen Anfang in den 1970er Jahren und ist eine der vielen Kunstformen, die durch Star Trek und darauf folgende Medienfandoms entstanden sind. Bemerkenswert an Vidding ist auch, dass diese Art des Filmemachens hauptsächlich von Frauen betrieben wird. Ein Grund dafür könnte sein, dass Frauen im Medienfandom allgemein in der Überzahl sind, oder dass durch das Erzählen von Geschichten mittels vorhandenem Filmmaterial die Schranken umgangen werden können, die Frauen vom Eintritt in die teure und von Männern dominierte Filmwelt abhalten.

Das Projekt „Geschichte des Vidding“ der OTW (Organisation für Transformative Werke) wurde geschaffen, um die 35-jährige Geschichte des Fan-Vidding zu dokumentieren und zu würdigen. Wir sind der Auffassung, dass nicht-kommerzielle Werke, die existierendes geschütztes Material auf kreative Weise verwenden, wie etwa Vids, transformativ sind und dass transformative Werke unter der Copyright-Gesetzgebung der Vereinigten Staaten legal sind.

Unsere Arbeit beinhaltet:

Fair-Use-Testsuite für Vids: Ein Teil der Stellungnahme der OTW, mit der sie den Antrag der EFF an die Copyright-Behörde der USA unterstützt, für VidderInnen und andere SchöpferInnen transformativer oder anderweitig unter Fair Use fallender Werke eine DMCA-Ausnahme (Digital Millenium Copyright Act) zu erwirken.

Vidding: Eine Dokumentation über Remix-Kultur, produziert von der Organisation für Transformative Werke in Zusammenarbeit mit dem MIT und New Media Literacy, 2008. Regie: Francesca Coppa; Schnitt: Laura Shapiro.

Das Geschichte-des-Viddings-Projekt: Die OTW hat ein Oral-History-Projekt initiiert, um die Erfahrungen vieler Vormütter des Vidding zu dokumentieren. Interviewt wurden unter anderem Kandy Fong, Sandy und Rache von den Media Cannibals, und Morgan Dawn. Wir möchten gern so viele VidderInnen wie möglich mit einbeziehen; falls ihr Interesse daran habt, interviewt zu werden, setzt euch bitte mit uns in Verbindung.

Presse & Vorträge:

Vidders Talk Back To Their Pop-Culture Muses (Vidders antworten ihren Popkultur-Musen) von Neda Ulaby in der NPR-Sendung All Things Considered, ausgestrahlt am 25. Februar 2009. Sie können den Beitrag online anhören oder den Begleitartikel lesen.

Geneology of Vidding (Genealogie des Vidding): Francesca Coppa und Laura Shapiro erarbeiteten gemeinsam einen zweistündigen Vortrag zum Thema „Genealogie des Vidding“ und zeigten diese beim 24/7: DIY Video Summit (8.-10. Februar 2008, School of Cinematic Arts, University of Southern California).

„Remixing Television: Francesca Coppa on the vidding underground“ (Fernsehen remixen: Francesca Coppa über den Vidding-Untergrund), ein Interview von Jesse Walker in Reason: Free Minds and Free Markets. August/September 2008, S. 57-63.

The Vidder, Luminosity in einem Profil des New York Magazine.

*Anmerkung d. Übers.: „Remix-Kultur“ (remix culture) ist eine von Lawrence Lessig geprägte Wortneuschöpfung und beschreibt eine fruchtbare und freie Kultur der Kreativität, die auf vorausgegangenen Schöpfungen basiert. Im Musikbereich sind hier z.B. Sampling und DJing weit verbreitet, im Fandom entsprechen dem kulturelle Praktiken, wie Fanfiction und eben Vidding. Im Gegensatz dazu steht die „Erlaubnis-Kultur“ (permission culture), die derivative Kreativität ausschließlich mit Zustimmung der Rechteinhaber erlaubt und dadurch stark einschränkt. Beide Begriffe sind Zuspitzungen aktueller politischer und rechtlicher Positionen. (nach Wikipedia.org: Remix culture.)