OTW-Gastbeitrag: Henry Jenkins

Von Zeit zu Zeit wird die OTW (Organisation für Transformative Werke) Gastbeiträge in unseren OTW-Nachrichten-Accounts hosten. Diese Gastbeiträge werden einen Blick von außen auf die OTW oder auf Aspekte des Fandoms bieten, in denen unsere Projekte präsent sein können. Diese Beiträge spiegeln die persönlichen Ansichten der jeweiligen Autoren wider und repräsentieren nicht notwendigerweise die Ansichten der OTW oder stellen die OTW-Richtlinien dar. Wir freuen uns über Vorschläge von Fans für zukünftige Gastbeiträge, die hier als Kommentar hinterlassen werden oder über direkten Kontakt mit uns mitgeteilt werden können.

Henry Jenkins ist einer der bekanntesten Medienwissenschaftler in Hinblick auf die Auseinandersetzung mit Fandom. Sein 1992 erschienenes Buch Textual Poachers: Television Fans and Participatory Culture ist auf der ganzen Welt gelesen worden und wird als eines der Grundlagenwerke im Bereich der Fan-Studien angesehen. Als wir ihn fragten, ob er einen Gastbeitrag für diesen Monat anlässlich unseres 10. Jubiläums schreiben würde, antwortete er: “Es ist eine Ehre gebeten zu werden, diese Rolle zu übernehmen.” Henry spricht mit uns über Fans, StudentInnen und Fandom.

Textual Poachers wird weiterhin überall von StudentInnen und jenen gelesen, die sich für Fans und Fandom interessieren. Sie haben seitdem jedoch auch ein Dutzend weitere Bücher und viele Artikel verfasst. Was denken Sie, hat sich seit Ihren frühen Jahren sowohl als Wissenschaftler, als auch als Teilnehmer, am deutlichsten in Bezug auf Fandom verändert?

Im Hinblick auf Fandom war der Einfluss der digitalen Medien entscheidend: sie haben den Umfang von Fandom erweitert, inklusive einer besseren Vernetzung unter Fans auf der ganzen Welt; sie haben die Geschwindigkeit der Reaktion durch Fans erhöht, was die Möglichkeit angeht, in Echtzeit auf unsere Lieblingsprogramme reagieren zu können; sie haben einen Raum geschaffen, in dem Fanwerke wesentlich sichtbarer für Kultur im allgemeinen werden konnte (im Guten wie im Schlechten); sie haben es Menschen ermöglicht, ihren Weg ins Fandom in einem wesentlich jüngeren Alter zu finden; und sie haben die Wirkung von Fan-Aktivisten erhöht, die danach streben, ihrer Stimme als Antwort auf abgesetzte Programme Gehör zu verschaffen. (Man muss sich nur mal die dramatische Wendung des Schicksals von Timeless in diesem Frühjahr ansehen).

In Bezug auf wissenschaftliche Forschung zu Fandom haben wir die Entstehung einer ganzen Teildisziplin der Forschung beobachten können, die ihre eigenen Konferenzen und professionellen Organisationen, ihre eigenen Fachzeitschriften (inklusive Transformative Works and Cultures), ihre eigenen Publikationsreihen, ihre eigenen Seminare etc hat. Im nächsten Jahr oder so wird es mindestens vier große wissenschaftliche Sammelbände geben, deren Ziel es ist, den Bereich der Fandomforschung abzubilden. Sie werden die Entstehung einer neuen Generation von Forschern reflektieren und Innovationen an so vielen Fronten repräsentieren, vor allem aber die, dass die Fandomforschung sich endlich mit Rassendiskriminierung auseinandersetzt.

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Stufen zum Erfolg – Organisation für Transformative Werke – Mitgliedschaftskampagne 3.-9. April

Mitgliedschaftskampagne April: Transformative Werke und Kulturen im Blickpunkt

Was braucht es, um Sie für wissenschaftliche Studien innerhalb Fandoms zu begeistern?

“Was mich begeistert,” sagte Karen Hellekson 2008, “ist ein wissenschaftliches Journal, das Fanwissenschaft als Thema begrüßt, anstatt sie abzulehnen oder zu verspotten, und in dem der Gedanke, dass Fans etwas Wertvolles zu unserer Kultur beitragen das analysiert werden sollte, als gegeben betrachtet wird.”

Diese Fachzeitschrift ist Transformative Works and Cultures (TWC): gestaltet, begutachtet, redaktionell betreut und unterstützt von OTW Mitgliedern und Fans wie Ihnen.

TWC ist eine Fachzeitschrift mit Beiträgen von Akademikern aus aller Welt, die sich mit Fanwissenschaften beschäftigen. Redaktionell betreut von Hellekson und Kristina Busse, erschienen bis jetzt 15 Ausgaben, mit faszinierenden Beiträgen zu Themen wie Fanvideos , Fanaktivität oder Supernatural.

Hier ist noch ein Grund sich zu begeistern: TWC ist – und war schon immer – komplett kostenfrei der Öffentlichkeit zugänglich. Wissenschaftliche Fachzeitschriften bleiben meistens Menschen vorbehalten, die sich in einem universitären Umfeld befinden. Oft zahlt man zwischen 30 und 45 US$ für einen einzelnen Artikel. Unsere Fachzeitschrift ist ein rein online verfügbares Open Access Gold Journal: Kostenfreier Online-Zugang für den Leser und die Veröffentlichung unter einer Creative Commons-Lizenz erlaubt auch den kostenfreien Nachdruck der Essays. Dies sind die essenzielle Prinzipien des TWC, um das Ziel zu erreichen, Wissenschaftler und Fans durch Gemeinschaft und Zugänglichkeit zu vernetzen. Deswegen gibt es mit dem in jeder Ausgabe vertretenen “Symposium” auch einen Platz für die Beiträge von nicht-akademischen Fans.

2013 erlangte TWC größere Bekanntheit und ein höheres Ansehen in der akademischen Welt. Hellekson nannte dies “einen großen Erfolg für TWC und eine Anerkennung der hohen Qualität der Arbeiten die wir veröffentlichen,” sowie ein gutes Zeichen für das akademische Feld online.

Hellekson und Busse haben außerdem kürzlich ein Buch mit grundlegenden wissenschaftlichen Texten über Fandom zusammengestellt. Alle Erlöse aus dem Verkauf des Fan Fiction Studies Reader kommen direkt der OTW zu Gute!

Wie geht es jetzt weiter? Das Team des TWC Journals bleibt fleißig – Ausgabe Nr. 16 ist fertiggestellt, Ausgabe 17 bereits auf dem besten Wege dorthin. Weiterhin ist außerdem geplant neue Themengebiete wie u.a. nicht-westliche Fandoms oder auch Sport- und Musik-Fandoms zu erschließen und “mit neuen Formen von digitaler Wissenschaft zu experimentieren.”

Das TWC Journal herauszugeben ist eine zähe Angelegenheit. Die Redakteure, Team-Mitglieder und Wissenschaftler arbeiten hauptsächlich hinter den Kulissen: Sie stellen qualitativ hochwertige Essays zusammen, lassen sie von anderen Experten des Themengebiets prüfen und sorgen dafür, dass jede Ausgabe fachmännisch lektoriert und gestaltet pünktlich erscheint. Für die TWC Community ist jede Ausgabe ein Meilenstein und das Ergebnis von hunderten von Stunden anregender wissenschaftlicher Arbeit.

Falls Sie das auch begeistert, ziehen Sie doch in Betracht das TWC Journal und dadurch hochqualitative und frei zugängliche Fanwissenschaft mit einer Spende zu unterstützen!